Computer

Eine Lesung zur Vigil zum Fest des hl. Dominikus - 2012

Die umfassende Kommunikation zwischen Gott und Dominikus beginnt unter dem Kreuz. Sie macht ihn zur Brücke, auf der Begegnungen stattfinden.

Im Kreuz wird Getrenntes vereint, werden Gegensätze versöhnt, wird Zer-rissenes wieder zusammengefügt. Im Blick auf das Kreuz Jesu durchdringt Dominikus eine Kraft, die ihn frei macht, die ihn tiefe Sinnerfüllung erkennen läßt, aus der heraus er alle Situationen glaubend, hoffend und liebend bestehen kann. Im Blick auf das Kreuz sieht er seine Nachfolge – seine Sendung – sieht er die Menschen, die ihm in den Weg gestellt werden.

Jordan von Sachsen faßt es in die Worte: „Leidenschaftlich hast du dich verleugnet, Dominikus, und mannhaft hast du dein Kreuz geschultert, und warst bestrebt, den Fußspuren Jesu, des Gekreuzigten, und wahren Führers, nachzufolgen.“

Bischof Diego und Dominikus können nicht glauben, daß die Welt so schlecht und so verkommen ist. Neben der Erfahrung mit den Häretikern sehen sie eine andere Gefahr: Eine aus dem Osten kommende, die sich bedrohlich heran wälzt. Der Alte und der Junge fassen angesichts dieser Wahrnehmung und von tiefer Trauer erfaßt, ganz plötzlich einen Entschluß: Sie überspringen Raststätten und eilen nach Rom, um vom Papst die Erlaubnis zu erbitten, im Osten missionarisch tätig zu sein. Papst Innozenz erlaubt es ihnen nicht und schickt sie, widerspruchslos, in ihr Bistum zurück. Das war eine große Enttäuschung für beide, doch jeder von der Vorsehung auserlesene Mensch hat mindestens einmal im Leben unterzugehen, im Ab-grund zu versinken geglaubt. Die Vorstellung, daß einen mit einem Schlag alles verläßt, ist das göttliche Zeichen dafür, daß eigentlich erst dann alles beginnt. Beide, der Bischof und sein junger Begleiter haben wohl diese Bitternis kennen gelernt. Sie ziehen gehorsam heim, doch auf ihrem Weg werden sie erneut mit einer Not konfrontiert, die entscheidend werden soll für die eigentliche Berufung des Dominikus. Sie sehen, wie die Menschen jenen „Vollkommenen“ - die sich Waldenser nennen - in Scharen folgen und ihr Reden und Tun ernst nehmen. Sie sehen, wie die Zisterzienser, die im Auftrag des Papstes, unter der Führung eines mächtigen Abtes, dreinschlagen und die Menschen mit Gewalt zurück ge- winnen wollen. Dominikus, der in der Herberge eines Katharers übernachtet, läßt sich, ob- wohl er totmüde ist, in ein herausforderndes und gefährliches Gespräch mit dem Hausherrn ein. In dieser Nacht und in diesem Gespräch erkennt er das ganze Ausmaß des Wirrwarrs, durch die Häresien hervorgerufen, und nicht zuletzt die Not der irregeführten Menschen.

Irrlehren sind eine geheimnisvolle Erscheinung. Wenn ein Laster in der Kirche so etwas wie eine gewisse Reife erreicht hat, keimt die Irrlehre von selbst auf und wuchert unaufhaltsam.

Die Irrlehre der Katharer ist der Bildungslosigkeit und Faulheit der Geist- lichkeit entsprossen, wie die der Waldenser der Habsucht und Freude am Wohlleben.

„Die Bischöfe“, so stellte das Laterankonzil später fest, „genügen wegen ihrer Schwäche – um nicht allein vom Mangel an Wissen zu reden, der ganz und gar tadelnswert und unerträglich ist – nicht mehr, Gottes Wort zu predigen.“

Hätte die große Liebe des Dominikus zu den Menschen und sein Erlebnis in jener Herbergsnacht nicht ein Vorgefühl solcher Art gehabt, die nun folgen-den Erfahrungen hätten es ihm unweigerlich beigebracht. Von der kurzen Zeit, die Dominikus nun für seine eigentliche Berufung erlaubt ist, verbringt er – wir würden sagen: eine absolut sinnlos verlorene Zeit – in einem kleinen Nest in Südfrankreich, mitten im Kessel der Häretiker. War aber diese Zeit wirklich verloren? Sie war lang, tief und weit genug für das gewaltige Werk, das er gründen wird.

Wenn er, einsam meditierend und vom Hügel in die weite Tiefebene schaut, gehen seine Gedanken zu all den Menschen, denen er in diesen Jahren begeg- nete und die ihm begegnen werden. Sein Herz weitet sich aus über alle Grenzen der Tiefebene hinweg, beseelt vom inneren Antrieb, sein Werk zu beginnen. Noch hat er keine Brüder, aber ein unglaubliches Gottvertrauen. Unbeirrbar folgt er der inneren Weisung: Den Menschen das Evangelium, die Wahrheit, zu verkünden – zum Heil aller.

Diesmal findet er bei einem neuen Papst Gehör. Er teilt mit Dominikus die Überzeugung, daß das Evangelium den Menschen in Wahrheit und Liebe, vor allem mit Kompetenz, verkündet werden muß. Der Orden der Predigerbrüder wird gegründet. Ganze fünf Jahre hat Dominikus nur noch Zeit, um ihn zu organisieren und ihm eine alle Zeiten überlebende Form zu geben. Heute dürfen wir dankbar auf eine 800-jährige Geschichte zurückschauen, in der das Werk des Heiligen unverändert fortbestand.

Als Dominikus nach seinem kurzen und unglaublich herausfordernden Leben auf dem Sterbebett liegt, ahnen seine Brüder, daß hier ein Großer der Geschichte stirbt. Dominikus aber geht in den Tod, genau so wie er gelebt hat, ohne ein Zurück, und mit dem Blick eines Kindes. Er will seine Wanderschuhe nicht ausziehen, um sofort bereit zu sein, wenn Gott ihn noch einmal zum Aufbruch ruft. Er fürchtet nur eines: Seine Söhne – sicher auch seine Töchter – könnten sich eines Tages in ein zu bequemes Leben hineinziehen lassen.

Er hinterläßt nichts. Seine Söhne, das fühlt er, werden seine Briefe und Aufzeichnungn ohnehin verbrennen und alles vernichten.

Das entspricht ganz seiner Demut und seiner Sendung: Er hat nicht für sich, sondern nur für und mit seinem Meister gelebt; sein Wort hat er verkündet, unverfälscht und ganz wahr. Seine Kraft empfing er stets und ausschließlich von ihm, seinem gekreuzigten Herrn und Meister Jesus Christus.

(zusammengestellt aus dem Büchlein „Der heilige Dominikus“ von George Bernanos)

Computer

Fasten

Die österliche Bußzeit, die Fasten beinhaltet, ist schon ziemlich weit fortgeschritten, fast um. Ist es da überhaupt noch angebracht, das Thema FASTEN ins Auge zu fassen? Die Frage bleibt allerdings: Darf uns Fasten nur in dieser kurzen Zeit (ganze 7 Wochen) beschäftigen?

Jeden Morgen beten wir:
„Maßvoll lebe der Leib,
wachsam und lauter sei der Geist,
daß der Weg dieser Zeit
Druchgang zur Auferstehung sei.
Die Erde zu heilen, schuf Gott dieses Tage.“
- Hymnus der Laudes -

Der Prophet Joel sagt uns, daß unser Bemühen nicht umsonst ist:
Kehrt um zu mir von ganzem Herzen, mit Fasten, Weinen und Klagen. Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte, und es reut ihn, daß er das Unheil verhängt hat.“ - Joel 2, 12-13 -

Das kann doch wohl kaum nur für eine begrenzte Zeit gesagt sein. Darum können uns gerade die letzten Wochen vor Ostern intensiver in das Geheimnis des Fastens führen. Jede und jeder von uns, weiß wahrscheinlich genau, welches der Ausgangspunkt für all das ist, was uns hindert, über unseren Schatten zu springen und aufzubrechen, um:

  • etwas Gutes zu tun;
  • Arbeit liegen zu lassen, weil ein Mensch mich braucht, der in Not ist;
  • jemand zu besuchen, der keinen Menschen hat;
  • etwas von meinem „Reichtum“ abzugeben an den, der fast nichts hat;
  • einem die versöhnende Hand zu bieten, um „Altlasten“ aus der Welt zu schaffen und Neuanfang vorzubereiten;
  • Bequemlichkeiten, die störend für andere sind, anzugehen;
  • Kritik zurückzuhalten, die Unfrieden stiften kann;
  • freundlich zu jemand zu sein, der uns auf die Nerven geht;
  • bemüht sein, um eine wohlwollende Gesinnung;
  • die Höflichkeitsforderungen zu beachten;
  • ehrfurchtsvoll mit allen umzugehen;
  • ein Bewußtsein bemüht zu sein, daß alle Ebenbilder Gottes sind, genauso wie ich;
  • schließlich über meine eigene Würde nachzudenken, dass ich in den Augen Gottes wertvoll bin und von ihm einen ganz speziellen Auftrag in und für seine Schöpfung erhalten habe.

Und noch vieles, vieles mehr, was nur von einer jeden und einem jeden persönlich beantwortet werden kann und darf.

Dieses persönliche Fasten bleibt dann nicht auf die kurze Zeit vor Ostern beschränkt, es gilt für jeden Tag. Die Freude, die daraus erwachsen wird, wird eine Kraftquelle für den Alltag sein und ungeahnte Perspektiven öffnen. Unsere Verhaltensweisen werden sich ändern und die Beziehungen zu den Menschen bekommen eine andere und neue Qualität.

Unser Mitbruder, der Mystiker Johannes Tauler, würde uns raten: „Kenne dich und korrigiere dich!“ Er sagt uns, daß alle Askese – alles Fasten – vom Grund aus gehen muss. In der Stille, im Gebet, im demütigen Hinhören auf unser Herz werden wir die Hindernisse sehen. Denn Gott zeigt sie uns Schritt für Schritt und nach der Möglichkeit unserer Kräfte. Aber dann müssen wir auch zur Tat schreiten, radikal und ohne Umwege. (vgl. Suzanne Eck OP, Gott in uns, Benno-Verlag Leipzig)

„Da kommen viele Leute und erdenken sich mancherlei Wege (um zum Ziel zu gelangen): die einen wollen ein Jahr lang von Brot und Wasser leben, die anderen eine Wallfahrt machen, bald dies, bald das. Ich nenne dir den einfachsten und kürzesten Weg: Geh in deinen Grund, und prüfe, was dich am meisten hindert, dich am (meisten von der Erreichung des Zieles) zurückhält; darauf richte deinen Blick, den Stein wirf in des Rheines Grund. Wenn nicht, lauf bis zum Ende der Welt, und tu alles Mögliche, es hilft dir nichts. Das Messer, das das Fleisch von den Knochen trennt heißt Sterben des eigenen Willens und Begehrens. Viele Leute töten die Natur und lassen die Gebrechen leben: daraus wird nie etwas.“ (Tauler, Predigt 77)